Die Pustertaler-Straße bei Vintl, beim Kniepass

und bei Percha (April 2003)

Die Vinschgauer-Straße bei Schlanders (Winter 2003)

und Straßenböschung bei Kehre auf Grödnerjochstraße (Mai 2003).

Es ist noch nicht lange her, dass die Wartung der Staatsstraßen in die Kompetenz des Landes übergegangen ist. Waren die Straßen vorher, von einigen Ausnahmen abgesehen, in einem prekären (um nicht zu sagen katastrophalen) Zustand, so hat sich nun die Situation gründlich gebessert: Die Straßen sind ordentlich geteert, Bodenmarkierungen sind vorhanden, Engstellen werden verbreitert, Leitplanken errichtet, Gefahrenstellen entschärft - eigentlich steht alles zum Besten.
Was aber an den Straßenböschungen geschieht, hat mich zuerst nur erstaunt, aber dann, als ich gemerkt habe, mit welchem System die Zerstörungen erfolgen, gewaltig geärgert. Aufgefallen ist mir diese Radikalkur am Baumbestand vor allem auf der Pustertaler Straße, wo beidseitig der Fahrbahn hektarweise Wald gefällt wurde. Die wenigen Alleebäume, die es dort gibt, wurden geradezu verstümmelt.
Auf Nachfrage hat es geheißen, dass die Straßenverkehrsordnung dies so vorsehe (neue EU-Bestimmungen!). Aber so etwas habe ich außerhalb Südtirols weder weiter südlich noch nördlich gesehen.
Doch auch heuer gehen die "Säuberungen" an den Straßenböschungen munter weiter. Hier ein Beispiel von der Vinschgauer Staatsstraße bei Schlanders. Die darüberliegenden Wohnhäuser werden sich für die freie Sicht auf die stark befahrene Straße bedanken!
Dazu auch ein Auszug aus einem Artikel von Peter Ortner, erschienen in der Tageszeitung Dolomiten vom 29. April 2003.
Dramatisch
zunehmende Monotonie in den Talböden Südtirols.
Es
braucht Naturkorridore für den notwendigen Individuenaustausch
Die Warnsignale der anwachsenden Roten Listen der gefährdeten Arten sprechen eine deutliche Sprache. Um einen effizienten Artenschutz zu gewährleisten, ist ein Biotopverbund eine wichtige Voraussetzung. Nur durch eine Vernetzung der wenigen vorhandenen Naturelemente kann der notwendige Individuenaustausch stattfinden. Dies trifft sowohl für Trocken- als auch für Feuchtlebensräume zu. Als so genannte Trittsteinbiotope, die naturnahe Flächen miteinander verbinden, eignen sich zum Beispiel Hecken, Waldränder, Gräben, Bachufer und Ruderalzonen. Außerdem sind zum Schutze wertvoller Biotope ausreichende Pufferzonen notwendig. Inmitten der intensiv genutzten Zivilisationslandschaft unserer Talböden gibt es zur zeit nur noch wenige inselartig verbreitete Naturoasen, deren Flora und Fauna extrem gefährdet ist. Es gilt diese Inseln mit Naturkorridoren zu verbinden (Biotopverbund). Als Ausbreitungshilfen für viele bedrohte Arten eignen sich Flächen längs Gewässern, Böschungen oder Wege. So können Straßenböschungen, welche naturnah gepflegt werden, zu Naturkorridoren werden.
Die Vernetzung der vielfach isolierten Biotope in unseren intensiv genutzten Talböden ist auf jeden Fall ein Gebot der Stunde. Andernfalls werden die Roten Listen der bedrohten oder bereits ausgestorbenen Arten immer länger.
Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel Brennerautobahn: Bepflanzte
Autobahnböschung bei Bozen Nord.